der Sozialdemokratie Sachsen e.V.

Das Kulturforum der Sozialdemokratie Sachsen e. V. möchte ein Ort kulturpolitischen und gesellschaftlichen Diskurses in Sachsen sein. Es wurde am 3. Februar 1995 als gemeinnütziger Verein gegründet.

Wir verstehen uns als Plattform der Begegnung, des Austausches und der gemeinsamen kulturpolitischen Gestaltung. Wir suchen das offene Gespräch mit Künstlerinnen und Künstlern, Kreativen, Kulturwissenschaftlern, Kulturförderern und Kulturpolitikern –  ja allen kulturell Motivierten und Interessierten.Wir wollen Kulturpolitik gestalten, Argumente und Ideen austauschen und auch mal querdenken.

Mitmachen kann jeder! Das Kulturforum der Sozialdemokratie in Sachsen e. V. ist ein gemeinnütziger Verein und kein Gremium der Partei. SPD-Mitglieder wie auch Nichtmitglieder sind herzlich willkommen. Was zählt, ist der gemeinsame Gestaltungswille für eine den sozialen und demokratischen Ansprüchen verpflichtete Kulturpolitik.
Unterstützen Sie diesen Diskurs! Werden Sie Mitglied im Kulturforum der Sozialdemokratie in Sachsen e.V.!

Frank Richter 
Vorsitzender

Veröffentlichungen des Kulturforums

Es ist unser Erbe. 

Künstlernachlässe bewahren!

Das Kulturforum der Sozialdemokratie in Sachsen e.V. setzt sich für die Weiterfinanzierung des Projektes Nachlasszentrum Künstlernachlässe und Werkdatenbank Bildende Kunst ein.

Ein wertvolles Erbe anzutreten, mag nicht immer leicht sein. Aber: es gebietet der Respekt. Menschen nähern sich mit Pietät dem Nachlass ihrer Vorfahren. Künstlernachlässe sind ein Erbe, das von gesellschaftlicher und kultureller Bedeutung für unser Land ist. 

Die Förderung von Kunst und Kultur ist in der Sächsischen Verfassung festgeschrieben.

Bezieht das Staatsministerium für Kultur diese nur auf die so genannten Leuchttürme? Wie sonst ist die 0 (in Worten: Null) unter dem Punkt „Projekt Nachlasszentrum Künstlernachlässe und Werkdatenbank im Regierungsentwurf zum Einzelplan 012 für den Doppelhaushalt 2021/22 zu erklären? In anderen Bereichen der Kulturförderung wurden die Vorjahresansätze zumindest fortgeschrieben. 

Das Projekt Nachlasszentrum Künstlernachlässe sowie die Entwicklung der Website Werkdatenbank Bildende Kunst wurden 2017/18 in Zusammenarbeit mit der Fotothek der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) unter Federführung von Frau Dr. Eva-Maria Stange gestartet. Es war eine lohnende Investition, so dachten nicht nur die Nachkommen, sondern auch viele lebende bildende Künstler. Über 18 000 Werke sollen bereits gespeichert und mit Unterstützung der Fotothek darstellbar sein. Geschaffen wurde ein wertvolles und identitätsstiftendes Gedächtnis. Der Freistaat Thüringen hat das sächsische Modell übernommen. 

Das umstrukturierte Sächsische Staatsministerium für Kultur sieht dies offenbar anders. Null Euro für die Fortführung und Weiterentwicklung sind eine kulturpolitische Nullnummer.  Die Mitglieder des Kulturforums der Sozialdemokratie sehen darin einen Ausdruck von mangelnder Wertschätzung. Auch das Prinzip der Nachhaltigkeit wird missachtet, da das bundesweit beachtete Projekt bereits viel Engagement und staatliche Fördermittel gekostet hat. 

Wir fordern Frau Staatsministerin Barbara Klepsch und die Abgeordneten des Sächsischen Landtags auf, die erforderlichen Mittel für die Fortführung des Projektes Nachlasszentrum Künstlernachlässe sowie für die Werkdatenbank Bildende Kunst im Doppelhaushalt 2021/22 und auch in den darauffolgenden Jahren bereitzustellen. 

Die Pflege des kulturellen Erbes gebietet dies. 

Die Aufbauleistung der vergangenen Jahre darf nicht umsonst gewesen sein. 

Chemnitz, 16.03.2021

Für das Kulturforum der Sozialdemokratie in Sachsen: 

Frank Richter Vorsitzender Egmont Elschner Stellvertretender Vorsitzender

Lektion Corona

Der Satz fiel eher beiläufig. Der Kultusminister äußerte ihn im Schulausschuss: „Nach der Pandemie wird es nicht mehr so sein wie vor der Pandemie.“ Bevor er das sagte, hatten ihn die Abgeordneten intensiv befragt. Sie wollten von ihm die Gründe für den Teilausfall des Lernportals „Lernsax“ erfahren. Sie stritten über das Pro und Kontra der Verkürzung der Winterferien. Sie diskutierten über die Öffnung der Schulen für die Abschlussklassen. Sie beklagten die sich verschärfende Bildungsungerechtigkeit. Sie mahnten zur schnellen Öffnung der Kitas. Sie forderten die Anpassung der Lehrpläne. Sie beschworen die Infektionsgefahr in vollen Schulbussen und schilderten zahlreiche weitere Gefahren. Die Sorgenfalten standen vielen im Gesicht. Die Anspannung war mit Händen zu greifen. Es fielen Sätze wie: „Machen wir uns nichts vor: Einige Kinder werden wir verlieren.“; „Wir müssen dafür sorgen, dass die Abiturienten eine vollwertige Hochschulreife erlangen.“; „Ein Notabitur darf es nicht geben.“ und: „Der Abschlussjahrgang 2021 soll keine Nachteile für die berufliche Karriere erleiden.“

Diese Ausschusssitzung unterschied sich wohltuend von anderen parlamentarischen Veranstaltungen. Die Vertreter der Opposition verzichteten auf Ironie und Häme. Die Vertreter der Regierung ließen sich kritische Nachfragen gefallen und beantworteten sie gewissenhaft. Es schien, als stünde Covid19 als weißer Elefant mitten im Saal und demonstrierte die Fragilität aller Pläne.

Die Fragilität aller Pläne oder die Fragwürdigkeit der Planwirtschaft Schule?

Als „DDR-Sozialisierter“ erinnere ich mich sehr wohl, wie schwer es fiel, das Scheitern eigener Pläne einzugestehen. Was nicht sein durfte, konnte auch nicht sein. Die Wirklichkeit hatte sich den Plänen zu beugen, nicht umgekehrt. Und weil sich die Anwendung dieses Prinzips verheerend und schlussendlich zerstörerisch auswirkte, habe ich nie verstanden, warum man in der Schule eisern an Plänen und an der „Vermittlung des eingeplanten Lernstoffs“ festhält. Auch Lehrpläne sind Pläne. Auch Lehrpläne sind Papier. Ich habe nicht verstanden, warum man die Schule auf eine komplexe und sich immer schneller verändernden Welt mit einem immer komplexeren und folglich immer störanfälligeren Plan- und Regelwerk reagiert, statt die Aufmerksamkeit und Liebe ganz denjenigen zu widmen, für die die Schule gemacht ist. Das Entscheidende und Wertvolle in den Schulen sind nicht die von Erwachsenen gemachten Pläne. Das Entscheidende und Wertvolle in den Schulen sind die Kinder und Jugendlichen. Sie lernen wegen, manchmal aber auch ohne und oft auch trotz der Pläne. Das Lernen findet nirgendwo anders statt als in ihren Köpfen, in ihren Herzen und ihren Händen. Außer dem Lernen im formalisierten Bildungswesen gibt es immer und überall das informelle Lernen, in dem konkrete Erfahrungen mit konkreten Menschen gemacht und bedacht werden.

Je intensiver sie den Alltag und die Emotionen betreffen – aktuell muss man sagen: erschüttern – desto größer sind die sich öffnenden Lernfenster.

Erkenntnis ist reflektierte Erfahrung. Angelerntes Wissen ist totes Wissen. Wer ernsthaft meint, die Schülerinnen und Schüler könnten in der Pandemie weniger lernen, weil die Lehrpläne nicht vollständig erfüllt werden, irrt. Er nimmt sich zu wichtig. Ein gebildeter Mensch weiß, dass alle Theorie grau ist, dass das Leben eigenen Gesetzen folgt und dass man immer alles auch anders machen kann. Ein Tor hält die eigenen Pläne für das Non plus Ultra und ihr Scheitern für ein Unglück.

Ein guter Bekannter, Bernd Oehler – Lehrer von Beruf und aus Berufung – schrieb mir Folgendes: „Ich habe alle meine Schülerinnen und Schüler an drei Oberschulen und einem beruflichen Gymnasium ein Corona-Tagebuch schreiben lassen, das die negativen, aber auch die positiven Auswirkungen der Pandemie für jede und jeden einzeln reflektiert. Das ist erstaunlich gut angekommen, obwohl dafür keine Noten zu haben waren. Ziel für mich ist, die Kinder von der 5. Klasse bis zu den Jugendlichen der 13. Klasse Wege finden zu lassen, wie sie sich vom Objekt der Pandemie zum Subjekt ihrer Bewältigung bewegen können. … Die Zeit wird nicht reichen, die einzelnen Aussagen hinreichend zu bearbeiten. Eigentlich wäre das Material gut für soziologische, theologische, psychologische Forschung…“.

Ich bin ihm dankbar für seine Mail. Ich bin überzeugt, dass die Tagebücher den Schülerinnen und Schülern lange im Gedächtnis bleiben. Ich werbe dafür, dass wir für das, was wir erleben, persönliche, kluge und gute Worte finden. Ich plädiere, die aktuelle Situation als eine Gelegenheit zu nutzen, in der verfestigte Pläne gestürzt und neue Ideen geboren werden können. Vielleicht sind diese neuen Ideen die alten Ideen, die wir vergessen haben: die Idee, dass wir einander brauchen, dass die Menschheit in einem Boot sitzt, dass das Leben kurz ist und nur deshalb wertvoll, weil es den Tod gibt. Ich wünsche mir, dass wir nicht von der Vermeidung eines Notabiturs sprechen, sondern von der exzellenten Qualität eines Abiturs in der Not. Ich wünsche mir, dass wir lernen, der Planwirtschaft Adieu zu sagen – auch in der Schule. Wie sagte der Kultusminister? „Nach der Pandemie wird es nicht mehr sein wie vor der Pandemie.“ Er soll Recht behalten. Corona ist eine Lektion.

Frank Richter, MdL

Vorsitzender des Kulturforums der Sozialdemokratie in Sachsen

Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft sind Impfstoffe für sozialen Zusammenhalt. Es gilt, sie bei den Haushaltsverhandlungen angemessen zu berücksichtigen.

Frank Richter und Egmont Elschner haben anlässlich der Einbringung des Regierungsentwurfs für den Doppelhaushalt des Freistaates Sachsen 2021/22 in den Landtag eine Erklärung verfasst. Sie richtet sich insbesondere an die Mitglieder des Landtags, die Verantwortlichen in den Ministerien und Behörden des Freistaates, an die Landräte, die Mitglieder der Kulturkonvente, die Oberbürgermeister und Bürgermeister, an die Stadt- und Gemeinderäte sowie an alle Bürgerinnen und Bürger, die sich dem Gemeinwohl und der Kultur verpflichtet wissen.

hier die Erklärung als pdf

Impfstoff Kultur – gegen die Einsamkeit zu Weihnachten

Das Kulturforum der Sozialdemokratie in Sachsen hatte zu einem weihnachtlichen Livestream eingeladen. Dieser wurde am Montag, d. 21. Dezember 2020, von 17.00 bis 18.30 Uhr gesendet und steht nun weiter zur Verfügung:

hier gehts zum Video auf dem YouTube Kanal von Frank Richter

Hängepartie für die deutsche Kulturhauptstadt Europas 2025: Zumutung für Chemnitz – Entscheidung muss schnell Klarheit schaffen 

Pressemitteilung vom 17.12.2020

Warum ausgerechnet Chemnitz?

Vorwürfe zur Vergabe des Titels „Kulturhauptstadt Europas“ werfen einen Schatten auf Chemnitz 2025.

Ein Beitrag von Ronny Schilder in der FP am Wochenende

Artikel in der Freien Presse am 19.12.2020

Gerade in der Krise: Kultur ist kein „nice to have“. Kultur hat Verfassungsrang. Sie wird gebraucht.

Erklärung des Kulturforums der Sozialdemokratie Sachsen e.V.