Es stinkt in Nossen!

Foto: Frank Berger

Eindrücke von der Bürgerversammlung am 30.09.2020

Frank Richter (MdL) hatte am 30. September 2020 zu einer Bürgerversammlung ins Tiergesundheitszentrum Nossen eingeladen. Über 40 Bürgerinnen und Bürger kamen, unter ihnen die Kandidatin zur Landratswahl Elke Siebert (GRÜNE, unterstützt von SPD und Linken) und der Kandidat Ralf Hänsel (parteilos/für CDU). Außerdem waren die Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Nossen Angela Haas (UBL), Christian Bartusch (SPD) und Gerald Rabe (parteilos/für CDU) anwesend. Die Firma Schaumaplast wurde vertreten u. a. von Geschäftsführer Toni Küttner. 

Zu Beginn erläuterte Peter Wunderwald die Sicht der Anwohner mit Hilfe einer PowerPoint-Präsentation, die in der Anlage zu diesem kurzen Bericht zu finden ist. 

Im Anschluss führte Moderator Dr. Justus H. Ulbricht in die Diskussion ein. Die mit nachvollziehbarer Emotion vorgetragenen Beschwerden der Betroffenen reichten von Übelkeit, Benommenheit und Schwindel bis zu Kopfschmerzen und Reizhusten. Sie machten deutlich, dass sich ihr Protest nicht allein gegen die starken Geruchsbelästigungen richtet. Sie fürchten schwere gesundheitsschädigende Wirkungen, die von den austretenden Abgasen Pentan und Styrol verursacht werden.

Die Firma Schaumaplast, das Landratsamt und die Stadt Nossen hätten seit 2017 nichts dagegen unternommen. Die Betroffenen baten die Geschäftsleitung eindringlich, eine Lösung zu suchen, selbst dann, wenn Schaumaplast nicht per Gesetz verpflichtet sei. 

hier der Artikel in der SZ online vom 6.10.2017

Ralf Hänsel betonte, dass man darauf angewiesen sei, einen Kompromiss zu finden. Ähnlich äußerten sich Angela Haas und Gerald Rabe. Ralf Hänsel fragte nach einem klaren Statement der Firma: Wir werden die Emissionen senken! Elke Siebert wollte wissen, ob, wenn sich die Gesetzeslage änderte, Schaumaplast zumindest einen Plan hätte.

Auf beides ging der Geschäftsführer nur indirekt ein. „Wir beschäftigen uns mit dem Thema.“, so Toni Küttner wörtlich. „Wenn wir reagieren müssen, dann werden wir reagieren.“ Vieles vom Gesagten nehme er mit, könne aber auch vieles nicht nachvollziehen. Der Krankenstand sei niedrig und aus der Belegschaft kämen keine Beschwerden. Gleichzeitig versprach er, mögliche neue Verfahren zur Filterung und Verbrennung von Gasen zu prüfen. Er sehe momentan aber keine Möglichkeit, den Zustand technisch zu verbessern. Für die Zukunft der Firma sei eine Erweiterung der Kapazitäten unerlässlich. Die betroffenen Anwohner allerdings lehnen den Neubau einer Lagerhalle im Gewerbegebiet Augustusberg kategorisch ab. Eine solche Halle würde die Schadstoffemmissionen weiter vermehren und eine Frischluftschneise für das Wohngebiet verbauen. 

Außerdem warfen sie der Geschäftsführung vor, der Frage auszuweichen, weshalb sie eine stoffliche Abgasmessung direkt auf dem Firmendach verboten hat.

Einig war man sich in der Kritik am Mangel adäquater Messergebnisse und gesetzlich geregelter Grenzwerte. Frank Richter deutete an, dass er sich für eine entsprechende sächsische Initiative einsetzen werde. Christian Bartusch betonte, dass auch die Stadt Nossen – der Stadtrat und die neue Person an der Stadtspitze – alles tun müsse, um die Anliegen ihrer Bürgerinnen und Bürger aufzugreifen und Abhilfe zu schaffen. 

Nach einer Stunde und fünfundvierzig Minuten beendete der Moderator Dr. Ulbricht die Diskussion und bedankte sich für die offene und faire Art aller Teilnehmer.

Frank Richter verwahrte sich gegen den vom ausscheidenden Bürgermeister vorgetragenen Vorwurf, er habe die Anwohner vor den anstehenden Wahlen instrumentalisiert. „Im Gegenteil! Die Anwohner haben mich angesprochen. Bürger hören vor Wahlen nicht auf, Bürger zu sein.“ Sein abschließender Dank galt Herrn Dr. Lantzsch vom Tiergesundheitszentrum, der einen attraktiven Saal für die Bürgerversammlung zur Verfügung gestellt hatte. 

Frank Berger

Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bürgerbüro 

hier gehts zum Beitrag am 01.10.20 im MDR-Sachsenspiegel

hier gehts zum Artikel in der sz online vom 02.10.20