Hängepartie für die deutsche Kulturhauptstadt Europas 2025

Zumutung für Chemnitz – Entscheidung muss schnell Klarheit schaffen 

Am 28. Oktober 2020 gab eine international besetzte Jury bekannt: Chemnitz ist die deutsche Kulturhauptstadt Europas 2025. Nicht nur die Chemnitzerinnen und Chemnitzer jubelten. Viele andere Mitbürgerinnen und Mitbürger in Sachsen und über die Grenzen des Bundeslandes hinaus freuten sich. Die auf den gestrigen Tag terminierte offizielle Bestätigung durch die Kulturminister der Länder schien eine Formsache. Gleichwohl fand sie nicht statt. Sie wurde vertagt. Der Bestätigung soll ein Gespräch mit der verantwortlichen Jury vorausgehen. Presseberichten zufolge soll der Kunstminister Bayerns Zweifel am korrekten Vollzug des Verfahrens geäußert haben, an dessen Ende Chemnitz gekürt wurde. 

Frank Richter, MdL, dazu: 

„Dass die Kritik am Verfahren erst nach der Preisvergabe erfolgt, ärgert mich sehr. Es wirft Fragen auf. Warum hat man den Zweifel nicht schon während des Wettbewerbs vorgebracht? Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Chemnitzerinnen und Chemnitzer verschaukelt fühlen. Die Entscheidung der Kulturminister hinterlässt einen faden Nachgeschmack. Ich selbst hatte mich für die Bewerbung der Stadt Dresden eingesetzt. Als Dresden ausschied, war die Enttäuschung groß. Aber schon einen Tag nach der Niederlage haben die Dresdner Künstler und Kulturschaffenden öffentlich zugesagt, nunmehr Chemnitz zu unterstützen. Sie waren gute Verlierer. Die nun beginnende Hängepartie ist eine Zumutung für Chemnitz. Natürlich müssen alle Zweifel an der Korrektheit der Preisvergabe ausgeräumt werden. Dies sollte so schnell wie möglich passieren. Das hoffe ich für Chemnitz. Chemnitz ist eine der interessantesten Städte Sachsens. Chemnitz ist auf jeden Fall eine würdige Kulturhauptstadt Europas.“ 

Dresden, 17.12.2020

Frank Richter

Vorsitzender des Kulturforums der Sozialdemokratie in Sachsen e.V.