Keiner kann sich rausreden. Das Gedenken an den Holocaust verpflichtet uns alle!

Foto / Quelle: Daniel Ullrich, Threedots, CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons

Heute, am 27. Januar 2021, jährt sich zum 25. Mal, dass der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik begangen wird. 

Bundespräsident Roman Herzog sagte 1996 dazu:

„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“ 

Die Vereinten Nationen proklamierten den 27. Januar im Jahr 2005 als Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. In Israel wird seit 1951 der 27. Nisan des jüdischen Kalenders als Jom haScho’a (Gedenken an die Massenvernichtung der Juden) begangen. Der Begriff Scho’a bringt die Einzigartigkeit dieses Menschheitsverbrechens zum Ausdruck. Der 27. Nisan fällt kalendarisch nicht auf den 27. Januar. 

Frank Richter, MdL, Vorsitzender der Radebeuler Couragepreis e.V.:  

„Es ist gut, dass der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus auch in Sachsen einen festen Platz im öffentlichen Bewusstsein hat. In vielen Orten, in Gedenkstätten, an Mahnmalen und Stolpersteinen versammeln sich besonnene und engagierte Demokraten. 

Oft sind es die lokalen Leidensgeschichten, die berühren und wachrütteln. Der Terror der Nazis fand nicht nur in Auschwitz statt. Er tobte vor den Haustüren so genannter ehrenwerter Bürger. Viele schauten zu oder schauten weg. Die Verbrechen begannen lange bevor die Nazis an die Macht kamen. Das gelang den Nazis auch deshalb, weil Nicht-Nazis es ihnen erlaubten. Ignorante, gleichgültige und sympathisierende Bürger haben sich mitschuldig gemacht.

Heute gilt das Gleiche: Keiner kann sich rausreden. Wer meint, dass ihn Rechtsextremismus, Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus nichts angingen und dass er nicht widersprechen muss, wenn dieses Denken, Reden und Handeln einsickert in die Gesellschaft, ist mitverantwortlich, dass es sich erneut festsetzt und ausbreitet. 

Sachsen hat sich über viele Jahre zu einem Hot Spot des Rechtsextremismus entwickelt. 

Viele Mitglieder der jüdischen Gemeinden, Sinti und Roma, Muslime, Zugewanderte aus entfernten Kulturen und Ethnien, Homosexuelle und andere Mitmenschen, deren Herkunft und Lebensart manchen fremd erscheinen, erleben Häme und Diskriminierung. Dabei bleibt es nicht. Die Anzahl der rassistisch und fremdenfeindlich motivierten Straftaten verharrt auch in Sachsen seit Jahren auf hohem Niveau. 

Politiker auf allen Ebenen des Staates, Vertreter der Behörden und Institutionen, der Justiz, Lehrerinnen, Lehrer und Journalisten sowie alle humanistisch und demokratisch gesinnten Bürger müssen diese Entwicklung stoppen und ins Gegenteil verkehren. Wir müssen der Leugnung und Relativierung des Holocaust widersprechen. Wir leben in einer global vernetzten, krisengeschüttelten, von Halbwahrheiten und Falschnachrichten verunsicherten und schicksalhaft verbundenen Gesellschaft. Wir brauchen eine Neubesinnung auf die Werte der Aufklärung und des Humanismus. Wir brauchen eine Praxis der Mitmenschlichkeit.“ 

Weiterführende Informationen:

Frank Richter nahm gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Couragepreis-Vereins am 27. Januar 2021 am stillen Gedenken für die Opfer des Nationalsozialismus am Mahnmal VVN am Rosa-Luxemburg-Platz in Radebeul teil.   

Auf der Homepage des Radebeuler Couragepreis e. V., ist ein von Schülern geführtes Interview mit Ingrid Lewek abrufbar. Frau Lewek war Preisträgerin im Jahr 2017; sie ist Mitautorin des Buches „Juden in Radebeul 1933 – 1945“. 

Auf Nachfrage im Bürgerbüro von Frank Richter, Talstraße 71, 01662 Meißen wird kostenlos abgegeben das Buch der Holocaust-Überlebenden Henriette Kretz:

„Willst Du meine Mutter sein?“, Hille-Verlag Dresden; ISBN 978-3-939025-38-2 

Das Buch wurde auf Initiative von Frank Richter aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt. Ergänzend dazu bei YouTube: „Henriette Kretz, Kindheit im Schatten der Shoa“

Henriette Kretz (Jg. 1934) lebt in Antwerpen. Sie kann wegen der Corona-Schutz-Anordnungen zurzeit nicht reisen. In den vergangenen Jahren war sie mehrfach in Meißen, Riesa und Weinböhla in Bibliotheken und Schulen zu Gast und hat von ihrem Schicksal berichtet. 

Die Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain erinnert an die Opfer des Kriegsgefangenenlagers der Wehrmacht in Zeithain bei Riesa. Zwischen 1941 und 1945 sind rund 25 000 bis 30 000 sowjetische und mehr als 900 Kriegsgefangene aus anderen Ländern in Zeithain verstorben. Gründe waren vor allem mangelhafte Ernährung und katastrophale hygienische Bedingungen. 

Die Lebensbedingungen der Gefangenen ähnelten den Bedingungen in den Konzentrationslagern. Das Lager wurde am 23. April 1945 von der Roten Armee befreit. Der Ehrenhain ist das größte Flächendenkmal im Freistaat Sachsen. 

Auf Nachfrage kann vermittelt werden die Aufführung des Filmes „Blut muss fließen. Undercover unter Nazis“. Der Film entstand, nachdem der Journalist Thomas Kuban Nazikonzerte mit versteckter Kamera drehte. Er dokumentiert hautnah, wie junge Leute mit Rechtsrock geködert und radikalisiert werden. Aufführungen des Filmes finden statt in Anwesenheit des Regisseurs Peter Ohlendorf, der anschließend über die Entstehung der Aufnahmen berichtet und sich dem Gespräch mit dem Publikum stellt.