Martin Dulig hält Laudatio für Bernd Oehler

Bernd Oehler (l) und Martin Dulig Foto: Robert Matzke

Frank Richter: „Lieber Bernd, auch ich danke Dir. Du bist ein großes Stück des Lebens- und liebenswerten Meißen.“

Am 30. April fand in Radebeul nach zwei Jahren Pause die mittlerweile sechste Verleihung des David-Schmidt-Preises statt. Gewidmet ist der Preis dem 2014 im jungen Alter verstorbenen kommunalpolitisch aktivem Stadtrat David Schmidt aus Radebeul. 

Unter den rund 80 Besucher*innen befanden sich auch die 25 Nominierten. Eine Person und eine Initiative durften die schwere Statue und das Preisgeld von je 500 € mit nach Hause tragen. Außerdem wurde ein Sonderpreis des Noteingang e.V. für Engagement während der Corona-Zeit verliehen (Preisgeld: 250 €) und ein Jury-Preis.  

Bernd Oehler aus Meißen erhielt den Preis als Einzelperson und Saied Karabij den diesjährigen Jury-Preis.

Bernd Oehler ist Anfang 60 und kurz vor der Rente. Das hält den ehemaligen Pfarrer der St. Afra Gemeinde und heutigem Religionslehrer nicht davon ab, sich ohne Rast dort einzumischen, wo es undemokratisch oder rassistisch zugeht.

Martin Dulig in seiner Laudatio: 

„Die, die sich für die Demokratie engagieren, hatten es in Sachsen nicht immer einfach. Das Engagement gegen Rechts und für die Demokratie ist aber nie falsch, sondern einfach nur vernünftig, ist einfach nur richtig. Diese gesellschaftlichen Kräfte brauchen wir. Um so wichtiger ist es, Menschen zu haben, die aufstehen. Bernd Oehler ist so einer, ein Ermutiger. Mit seiner klaren Haltung für Anstand, für Gerechtigkeit öffnet er Räume für Menschen.“ 

Saied Karabij hat sich in den nun sieben Jahren, in denen er hier in Deutschland ist, vermutlich mehr engagiert, als manch einer in seinem gesamten Leben. Und das unter schwierigen Umständen in einem ihm fremden Land fern seiner Heimat Syrien. 

Die Laudation hielt Johannes Reuter, der formulierte: 

„Unsere Jury-Sitzung fand statt, kurz nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine. Die heftige Unterscheidung zwischen ‚guten‘ und ‚schlechten‘ Geflüchteten hat uns wütend gemacht. Heute feiern wir einen Menschen, der vielleicht nicht zu den „guten“ Flüchtlingen gehörte. Der Preis geht an einen Menschen, der selbst grad Hilfe braucht und trotzdem sagt: Ich will Anderen helfen, ich kann Anderen helfen. Er stellt es als selbstverständlich dar, ist es aber leider nicht. Daher umso wichtiger, dass er gesehen wird.“ 

Den Initiativen-Preis erhielt das „Café Taktlos“ aus Glauchau. 

Das Café Taktlos, das sein 30-jähriges Bestehen feiert, beschreibt sich als selbstverwalteter Jugendtreff, welcher u.a. Konzerte, die Volxküche und Sportangebote organisiert. 

Aus der Laudation von Susann Rüthrich:

„Auch wenn die Jugendlichen, die die Türschwelle unseres Preisträgers oft überschritten haben, jetzt vielleicht wo ganz anders in der Welt sind: bei Euch haben sie sich ihre Portion Politisierung fürs Leben geholt. Und – genau wie bei David – wer nicht geht, wird vielleicht Stadtrat in der Gemeinde. Sicher eine besondere ‚Freude‘, wenn einem genau aus der Stadt manchmal der Wind frontal von vorn anpustet.“

Der Sonderpreis des Noteingang e.V. ging an „Mugge im Keller“ aus Bautzen. Mugge im Keller unterstützt vor allem regionale Musiker*innen, in dem sie kostenfreie Auftrittsmöglichkeiten bieten. Daneben organisiert das komplett aus Ehrenamtlichen bestehende Team demokratische Freiräume in Bautzen und Region. 

Aus der Laudatio von Stefan Breuer: 

„Auf den ersten Blick hat uns sofort gefallen: Eine ehrenamtliche Gruppe zaubert ‚alternative Subkultur‘ in eine Umgebung, die dafür eher weniger bekannt ist. Bautzen gibt sich seinem schlechten Ruf nicht ergeben, sondern stellt etwas auf die Beine. Darüber hinaus hat uns auch der Blick über die eigenen Horizonte hinaus überzeugt – insbesondere in Zeiten vermeintlicher oder sichtbarer Polarisierung.“