Sehr geehrte Frau Kramp-Karrenbauer, bitte verbieten Sie dieses Plakat!

Foto: Daniel Bahrmann

Dieses großflächige Plakat hängt an einer Bushaltestelle in Meißen. Täglich warten dort viele Kinder und Jugendliche. Das Bild zeigt eine junge, schöne Frau in Bundeswehr-Uniform. Sie hält ein Maschinengewehr im Anschlag. Den Finger hat sie am Abzug. Wahrscheinlich wird sie in jedem Moment abdrücken. Sie ist nicht auf Hasenjagd. Sie ist im Krieg oder sie übt für den Krieg. Auf wen zielt sie? Gleich wird sie schießen. Wird sie einen Menschen töten? 

Das Plakat ist Teil einer Werbekampagne. Junge Menschen sollen für Kampfeinsätze gewonnen werden. Im Text heißt es: „Steckt in Dir eine Kämpferin? Finde Deine Berufung.“

Frau Kramp-Karrenbauer, ich frage Sie: Was ist die Botschaft dieses Plakates?

Sie wissen: die Sprache der Bilder ist stärker als die Sprache der Worte.

Meinen Sie wirklich, dass ein junger Mensch (Im Fall dieses Plakates ist es eine junge Frau.) seine „Berufung“ im Schießen finden und Karriere beim Töten machen sollte?

Frau Kramp-Karrenbauer, Sie haben die Befehls- und Kommandogewalt, ich bitte Sie: Verbieten Sie dieses Plakat! Beteiligen Sie sich nicht an der Militarisierung unserer Gesellschaft! Informieren Sie junge Menschen über die Traumatisierungen, unter denen viele Soldatinnen und Soldaten leiden müssen,  die aus Kampfeinsätzen der Bundeswehr zurückkehren!

Frank Richter, Mitglied des Sächsischen Landtags, SPD-Fraktion

Meißen, 22.September 2020