Aishat Pareulidze schickt Grüße und Geschenke nach Meißen

Die Geschenke: ein metallener Aufsteller mit der stilisierten Silhouette von Tiflis und eine traditionelle Kopfbedeckung Foto: Pressestelle SPD-Fraktion

Frank Richter hält an Strafanzeige gegen Unbekannt fest. 

Unter der Post, die das Bürgerbüro auf der Talstraße 71 vor Ostern erreichte, war ein Päckchen von Aishat Pareulidze, dem vor einem Jahr aus Meißen nach Georgien abgeschobenen Mädchen. Aishat dürfte sich inzwischen zu einer jungen Frau entwickelt haben. Der Inhalt des Päckchens: ein metallener Aufsteller mit der stilisierten Silhouette von Tiflis, eine traditionelle georgische Kopfbedeckung sowie ein Brief mit Grüßen an alle Menschen, die sich den Abgeschobenen nach wie vor verbunden fühlen. 

Zum Hintergrund:  

Die aus Georgien nach Deutschland geflohene Familie wurde am frühen Morgen des 26. März 2021 aus ihrer Meißener Wohnung geholt und per Flugzeug abgeschoben. Die Mutter, Marina Gaurgashvili, stand am selben Tag gegen Mitternacht hilf- und mittellos mit ihren fünf Kindern auf dem Flughafen in Tiflis. Der Vater hatte sich während des Abschiebevorgangs verletzt und kam später nach. 

Inzwischen ist die Familie bei Bekannten untergekommen, lebt allerdings noch immer in bitterer Armut. Aishat, mit der Frank Richter in unregelmäßigen Abständen telefoniert, spricht nach wie vor perfekt Deutsch. Sie berichtet, dass sie in ihren schulischen Leistungen schwer zurückgeworfen ist, weil sie der georgischen Sprache nur bedingt folgen kann. Ihre Eltern sind arbeitslos. 

Weil Aishat an der Vorhaltung festhält, dass der Familie während der Abschiebung mehrere elektronische Geräte und die Sparbüchsen der Kinder mit ca. 500 bis 600 € von Polizisten abgenommen wurden und verschwunden sind, hat Frank Richter Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Diese wird nach Auskunft des Pressesprechers der Leipziger Polizeidirektion von der Staatsanwaltschaft verfolgt. Es habe schon mehrere Verhöre gegeben. Auch die Sächsische Datenschutzbeauftragte hat sich an die Polizei gewendet, da die abgeschobene Familie mit den Tabletts und Handys auch zahlreiche persönlichen Daten verloren hat. Darunter waren viele Telefonnummern und Fotos, die einzigen Erinnerungen der in Deutschland geborenen Kinder. 

Bernd Oehler, Schulpfarrer und Vorsitzender von „Buntes Meißen“, hat ein Spendenkonto eingerichtet, von dem bisher mehrere tausend Euro an die Familie Pareulidze/Gaurgashvili überwiesen wurden. 

Frank Richter, MdL: 

„Wir brauchen einen neuen Blick auf Flüchtlinge und ein Ende einer Abschiebepraxis, die das Wohl von Kindern gefährdet. Wenn wir gut integrierte Menschen außer Landes schaffen und in existentielle Nöte stoßen, verletzten wir nicht nur die Werte unserer Verfassung. Wir schaden uns selber. Wir brauchen diese Menschen in der Wirtschaft, in der Pflege, in der Gastronomie und in vielen anderen Bereichen. Ich sehe eine gewisse Absurdität: Jetzt empfangen wir die Flüchtlinge aus der Ukraine mit offenen Armen. Das ist gut so. Noch vor wenigen Monaten wurden Menschen abgeschoben, die sich hier angestrengt und nützlich gemacht haben, Kinder, die viele Jahre fleißig gelernt haben und dann von einem auf den anderen Tag von ihren Schulkameraden getrennt wurden.“ 

19.04.2022