Bilder und Einsamkeit im Dialog

Foto: Andreas Herrmann

Publizist Martin Hecht, Politiker Frank Richter und Maler Ulrich Pietzsch sehen ein  politisches Thema ganz unterschiedlich.

„Die Einsamkeit des modernen Menschen“ hat viele Facetten. Einige davon stellte der Publizist und Politologe Martin Hecht jetzt in seinem gleichnamigen Buch im Ost-West-Forum Gut Gödelitz vor. Der Titel selbst geht noch weiter und fragt danach, wie „das radikale Ich unsere Gesellschaft bedroht“. Ein politisches Thema also und Anspruch auch an den Moderator des Gesprächsabends, den SPD-Landtagsabgeordneten Frank Richter. Dabei wurde vor rund 100 Besuchern deutlich, dass Einsamkeit vieles sein kann: strukturelle Größe in der Gesellschaft, Atomisierung des Einzelnen, Ergebnis des Erodierens der Institutionen, Statussymbole können etwas mit Einsamkeit zu tun haben, die Versprechen des Neoliberalismus und Glücksbilder des Internet ebenso. Als sozialdemokratischer Politiker hat Richter hier dagegengehalten. Für ihn spielten in der Diskussion Kategorien wie Werteachtsamkeit, Teilhabe an Bildungs- und Aufstiegschancen, Diskussionen was biografischer Erfolg eigentlich ist oder was es mit dem kurzen Moment des Kreuzes in der Wahlkabine denn auf sich hat eine Rolle. Solche „Herzensbildung“, so Richter, brauche aber auch eben Zeit und reflektive Erfahrung. Dieser erfrischende Kontrast war dann bei den Zuhörern auch Fragemotivation und Spiegelung zugleich, zum Beispiel wenn zu Immunabwehr gegen die Macht der sozialen Medien oder dem Hintergrund von Protestwahlen gefragt und diskutiert wurde.

Martin Hecht – Foto: A. Linsemann

Die Antithese zu den in der „Einsamkeit des modernen Menschen“ von Martin Hecht dargelegten Symptome – das sind vielleicht aber dann die Bilder von Ulrich Pietzsch, die in der alten Schäferei von Gut Gödelitz zu sehen sind und die das Publikum an diesem Literaturabend zum ersten Mal zu Gesicht bekam. Diese Werke haben eine spielerisch-bunte Spannweite zwischen Realität und Phantasie. Sie gehören zur Gattung „naive Malerei“ und es sind die Lebenseindrücke von Pietzsch, der in Oberwartha bei Dresden geboren wurde und heute zusammen mit seiner Muse, der ehemaligen 1. Ballerina der Staatsoper Berlin, in einem alten Bauernhaus in Kukate in Niedersachsen lebt. 

„Der Dicke tanzt“, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm, 2013 – Foto: Andreas Herrmann

Die Bilder von Ulrich Pietzsch werden auf Gut Gödelitz bleiben und als Dauerausstellung zukünftig alle Gesprächsabende begleiten. Sie sind auch der Dank des Malers an seinen Helfer und Freund Axel Schmidt-Gödelitz, den Begründer des Ost-West-Forums.

Andreas Herrmann