Bitte grenzen Sie nicht aus, Herr Mallek!

Leserbrief zum Kommentar von Ulf Mallek 

„Ein starker Sieg der politischen Mitte“ 

aus Sächsischen Zeitung, Lokalausgabe Meißen, vom 12.10.2020 

Kommentar ist Kommentar – und keine Nachricht. Insofern steht es Ulf Mallek natürlich zu, das Ergebnis der Landtagswahl aus seiner subjektiven Sicht zu kommentieren. Ich möchte meine Sichtweise, es ist eine ganz andere, hinzufügen und wünsche mir, dass die Sächsische Zeitung sie abdruckt.

Erstens: es ist auffällig, dass die CDU fast nur noch mit Kandidaten gewinnen kann, die ihr nicht angehören: Olaf Raschke, Bert Wendsche und nun Ralf Hänsel. Die anderen Parteien haben offenbar auch in den eigenen Reihen überzeugenden Personen. 

Zweitens: ich finde es unerträglich, wenn Ulf Malleks Kommentar unterstellt, die Parteien, die Ralf Hänsel nicht unterstützt haben, stünden nicht in der politischen Mitte. Wenigstens für die SPD muss man das ohne Wenn und Aber feststellen. Bitte grenzen Sie nicht aus, Herr Mallek!

Drittens: wo bleibt der Hinweis des Kommentators, dass Christian Bartusch (SPD) im ersten Wahlgang der Nossener Bürgermeisterwahl beachtliche 31 Prozent erzielt hat? Auch Nossen gehört zum Verbreitungsgebiet der Lokalausgabe. 

Die Konservativen sind seit Jahrzehnten nicht mehr in der Lage, in den sächsischen Großstädten zu gewinnen. In immer mehr Städten regieren parteilose Bürgermeister: Großenhain, Radebeul, Meißen, Nossen … und nun auch im Landkreis. Ein kleiner Hinweis auf die Schwäche der CDU gehört ins Gesamtbild unserer politischen Situation.

Eyk Schade, SPD Meißen 

Ein starker Sieg der politischen Mitte

Kommentar: Ulf Mallek über die Meißner Landratswahl, Sächsische Zeitung vom 11.10.2020 

Die Würfel sind so gefallen, wie es die meisten politischen Beobachter im Landkreis Meißen erwartet haben: Hänsel vor Kirste vor Siebert. Dennoch ist das Ergebnis der Landratswahl vom 11. Oktober 2020 in dreierlei Hinsicht überraschend.                                                                                                                                         Erstens wurde der neue Landrat gleich im ersten Wahlgang gewählt. Den Kandidaten und den Wählern bleiben noch einmal vier Wochen Wahlkampf und am 8. November ein erneuter Gang an die Wahlurnen erspart. Zwar hatte die CDU leise auf ein Ergebnis von über 50 Prozent gehofft, doch die Stärke des parteilosen Verwaltungsexperten Ralf Hänsel überrascht die CDU dann doch. Offensichtlich hat sie bei der umkämpften Wahl ihres Kandidaten alles richtiggemacht. Die Schwäche von Thomas Kirste passt zum deutschlandweiten Abwärtstrend der AfD. Doch ein solch dürftiges Ergebnis hatten wohl die wenigsten vom einst strahlenden Sieger über Daniela Kuge bei der Landtagswahl erwartet. Für die AfD ist das eine deutliche Niederlage in einer ihrer Hochburgen.                                                                                                 Aber auch das linke Lager kam nicht besser weg, sondern noch schlechter. Obwohl sich vernünftigerweise alle drei linken Parteien Grüne, Linke und SPD hinter einer Kandidatin, die sich auch im Wahlkampf achtbar schlug, vereint haben, reichte es nur zu einem desaströsen Ergebnis. Fazit: Die Stärke des einen, ist die Schwäche der anderen. Oder: Ein überzeugender Sieg der politischen Mitte, der leiseren Töne über Gepolter und des Fachwissens über Parteiprogramme.