Die Kunst ist eine Verbündete der Demokratie, weil beide die Freiheit brauchen.

Ich freue mich, dass am 26. Mai 2020 im Bürgerbüro auf der Talstraße in Meißen die künstlerische Darstellung des „red circle – people and signes“ (Deutsch: Roter Kreis – Menschen und Zeichen 2020) präsentiert werden konnte. 

Sie wurde angefertigt von Katrin Süß, einer Dresdner Grafikerin und Design-Künstlerin. 

Natürlich passt die rote Farbe sehr gut in das Bürgerbüro eines SPD-Abgeordneten. Das ist unbestritten. Gleichwohl handelt es sich bei der Darstellung nicht um ein Plakat und auch nicht um sozialdemokratische Propaganda.

Der Rote Kreis, der an einer Wand im Bürgerbüro angebracht werden soll, zieht die Blicke auf sich. Er lenkt sie kraftvoll in die Mitte und führt sie auch wieder aus ihr heraus. Er fordert und er bewirkt Konzentration. Er besteht mit seiner nonverbalen Botschaft darauf, dass alles, was kreist und sich bewegt, einen unverrückbaren Mittelpunkt hat. 

Wer oder was dieser Mittelpunkt für den Betrachter ist, bleibt offen. 

Ist er sich selbst der Mittelpunkt allen Lebens und Strebens?

Ist es ein anderer oder ist es eine Idee? 

Mich persönlich hat nicht nur die Darstellung künstlerisch überzeugt.

Auch die Verarbeitung des verwendeten Materials – ein besonderes Papier – ist kunstfertig.

Der Kreis wirkt bleischwer. Er und seine Botschaft haben Gewicht.

Wenn man herantritt, ihn begreift oder bewegt, ist man von seiner Leichtigkeit überrascht.

Gewichtiges mit Leichtigkeit zu gestalten und zu verbinden, ist nach meiner Wahrnehmung eine besondere Fähigkeit der Künstlerin. Kunst erschöpft sich nicht darin, die Wirklichkeit widerzuspiegeln. Kunst schafft Wirklichkeit, indem sie der Wahrnehmung einen sehr individuellen und persönlichen Ausdruck verleiht. Sie braucht Freiheit, sie entsteht in ihr und kann auch nur in Freiheit aufgenommen und verstanden werden. Insofern ist sie eine natürliche Verbündete der Demokratie. 

Frank Richter    

hier der link zum Beitrag auf Meißen TV

Fotos: Enrico Schneider