Empfehlung: Besuch in der Käthe-Kollwitz-Gedenkstätte Moritzburg bei Dresden

Abbildung: Käthe Kollwitz Selbstbildnis 1924, Kreidelithographie (Eigentum der Gedenkstätte Moritzburg)

Käthe Kollwitz gehört zweifellos zu den bedeutendsten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Immer, wenn hochrangige Vertreter unseres Staates an Gedenk- und Trauertagen die Neue Wache unter den Linden in Berlin aufsuchen, schauen sie auf die von Käthe Kollwitz gestaltete Plastik „Mutter mit totem Sohn“. Es war Bundeskanzler Helmut Kohl persönlich, der sich dafür eingesetzt hatte, diesen Ort zur zentralen bundesrepublikanischen Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu ernennen. 

Ganz in der Nähe von Dresden, ca. 300 Meter vom berühmten Moritzburger Schloss entfernt, befindet sich mit der „Käthe-Kollwitz-Gedenkstätte“, dem Sterbehaus der Künstlerin, der einzige authentische Erinnerungsort. Wer sich mit seiner Geschichte beschäftigt und die Atmosphäre des Hauses atmet, wer sich Zeit und Stille gönnt, alles auf sich wirken zu lassen, der wird angetan sein von der großen Klarheit und der tiefen Menschlichkeit der ausgestellten Werke. 

Wir leben in einer Zeit, in der viele von uns mit der Einsamkeit, mit den Attributen des hohen Alters, mit Hinfälligkeit, Pflegebedürftigkeit und Depression auf verschiedene, aber auch auf eindringliche Weise konfrontiert werden. Wir sind genötigt, einen menschlichen und solidarischen Umgang mit diesen Erscheinungen unserer Lebenswirklichkeit zu entwickeln. Allein schon aus diesem Grund empfehle ich einen Besuch in der Käthe-Kollwitz-Gedenkstätte Moritzburg. Man verlässt sie ruhiger und gütiger, als man sie betreten hat. Man findet einen neuen Zugang zu der uralten Sehnsucht nach innerem Frieden. 

In kulturpolitischer Hinsicht muss überlegt werden, wie dieser Gedenkstätte eine größere Aufmerksamkeit verschafft werden kann. Wenn ich richtig informiert bin, dann plant der Kulturraum Elbland-Sächsische Schweiz, die Unterstützung für die Gedenkstätte zu kürzen. Die Tatsache, dass die Kreissparkasse Köln, die maßgeblich beteiligt war am Zustandekommen der die Gedenkstätte tragenden Stiftung, sich bis auf den heutigen Tag an der Finanzierung beteiligt, gehört zu den schönen und berührenden deutsch-deutschen Begegnungsgeschichten. Die Erinnerung an Leben und Werk von Käthe Kollwitz ist von nationaler Bedeutung. 
Ich empfehle einen Besuch in der Käthe-Kollwitz-Gedenkstätte von ganzem Herzen.    

Frank Richter – Kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag   

Foto: Kollwitzhaus Moritzbug

Käthe-Kollwitz-Gedenkstätte, Meißner Straße 7, 01468 Moritzburg

täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet